Peruaner

Der Peruaner an sich ist ja schon ein sehr spezieller Typ. Dies betrifft viele Dinge wie Ordnung, Buerokratie, Funktionalitaet, Streiks, Hygiene, Krankheit, Muell und Schmutz. Zu allererst ist er sehr gastfreundlich. So gastfreundlich, dass es einem schon unangenehm ist. Unsere Teller werden abgeraeumt und abgewaschen als waere es ganz selbstverstaendlich. Wenn wir nicht um die Arbeit kaempfen wuerden oder Nicky (die Gruenderin des Vereins) keine Jobs fuer uns haette, koennten wir den ganzen Tag gammeln, ohne dass sich jemand beschweren wuerde – ist ja eigentlich ganz nett, nur ohne eigenes Zimmer unmoeglich. Na dann nach Arbeit fragen: „Koennen wir etwas machen?“ – „Si, si ,si. Das und das.“ Und das war es dann wieder fuer den Rest des Tages.


 Ein weiteres Indiz, einen Peruaner vor sich zu haben, ist die Schneise aus Verwuestung und Muell, die er hinterlaesst. „Muelleimer“ ist ausserhalb unseres Casa ein Fremdwort. Und auch unsere Kinder scheinen den „cubo de basura“ viel zu haeufig nicht zu kennen. Verpackungen werden waehrend der Wanderung einfach ins benachbarte Baumwollfeld geschmissen. Waehrend ich angestrengt auf dem Boden nach Hundekot suche (Tretminen sind hier der Schuhkiller) weht mir alle 20m eine Plastiktuete ins Gesicht. So sieht es dann auch vor den Wohngebieten aus. Muell soweit das Auge reicht.

Als wir mit dem grossen Muellsack im Gepaeck mit dem Taxi vom Strand kamen wurde dieser 100m vor Ortseingang einfach in den Strassengraben geworfen. Exakt so wie ihr euch den Strassengraben vorstellt sieht zu der Zeit das trockene Flussbett des Rio Nasca aus (Foto unten).


 Dass man in einem 3. Welt Land mit buerokratischen Hindernissen ueberhaeuft wird denkt man eigentlich auch nicht. Unserer Organisation werden staendig neue Steine in den Weg gelegt, sei es wegen der Spenden, den Formularen oder den Abrechnungen. Hat Nicky gerade mit viel Muehe und Geduld eine perfekte Spenden-Aufstellung inklusive jeglicher Details angefertigt, heisst es ploetztlich, dass doch alles anders zu dokumentieren ist. Hat sie dann mit viel Muehe und Geduld diesen Extrawunsch erfuellt, bedeutet das noch lange nicht, dass die Anweisung von eben morgen noch gilt. Aber wehe, wehe, irgendetwas fehlt wenn mal wieder der Mann von der Behoerde kommt!
Alles ist hier wesentlich komplizierter als in Deutschland. Eine Ueberweisung von Bank zu Bank ist in diesem Land immer noch nicht moeglich. Und da denken wir, dass Deutschland ein Buerokratiedschungel ist.

 

Kontraer dazu herrscht chronische Unordentlichkeit. Selbst Janne und ich, keine Kinder von Traurigkeit in der Beziehung, sind immer wieder geschockt, sogar verstoert, wenn wir auf das Chaos blicken das ein einziges Kind hier (Erwachsene ebenso) nach einem einzigen Tag hinterlaesst. Regelmaessige von uns angefuehrte Putz-Action Einlagen vermoegen es den Kindern nicht auszutreiben.
Zur Hygiene moechte ich mich nicht weiter auslassen. Ein Besuch im oertlichen Krankenhaus und im Fleischmarkt hat mir gereicht.
Die Lieblingsbeschaeftigung hier im Lande ist neben Feiern (die Fiesta zum 20-jaehrigen Jubilaeum des Friedhofes(!) nebenan dauert jetzt schon 1 ½  Wochen und geht regelmaessig bis 5 Uhr morgens) ist ganz klar streiken. Gestreikt wird hier wirklich ueberall und zu jedem Anlass. Das mit den Lehrern kennt ihr ja schon, aber jetzt das Neueste: Hier geht gar nichts mehr. Soll heissen, die Busse fahren nicht und es werden kaum noch Waren transportiert. Strassensperren auf der PanAm sind an der Tagesordung und vorgestern hat man ganze 3 Touribusse aus Cusco starten lassen. Die Bevoelkerung ist eben mit der im Vorjahr gewaehlten Regierung unzufrieden. Ein Grund fuer alle Transportunternehmen den Laden dicht zu machen.

 

Es hat echt mal Spass gemacht, so vom Leder zu ziehen. Aber im Grunde ist der Lebensstil schon sehr interessant und hat die einen oder anderen Vorteile. Es macht einfach Spass durch die chaotischen Ladenstrassen von Nasca zu spazieren, den Menschen beim Leben zuzuschauen und die ganze exotische Atmosphaere zu geniessen. Wenn ich in einem „Taxi“ sitze und fuer umgerechnet 50 Cent von hier den weiten Weg in die City fahre, vorbei an purem Sued-Amerika-Flair, bin ich froh, hier zu sein.

die bilder: das flussbett - man beachte den linken schriftzug. das in dem flusslauf sind keine kieselsteine sonder muelltueten und plastik; die lebhafte Innenstadt von Nasca; Janne und die Kiddies durchs Baumwollfeld


18.7.07 01:31

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hans J. (18.7.07 21:05)
Hey Micha, das ist ein super Bericht, habe beim lesen viel Spaß gehabt.feiern und streiken kann wohl auch ein Lebensinhalt sein, vielleicht solltet ihr Euch während eures Aufenthaltes dem anschliessen. Wie wäre es mit einer Fiesta zum Anlass eures 4 wöchigen unbeschadeten Aufenthaltes!? und die muss dann ja mindestens 2 Wochen gehen und anschliessend streikt ihr dann den Rest der Zeit. Wünsche Euch beiden noch eine gute Zeit! Hans J.


ulrike Weiß (19.7.07 16:25)
Hola Janne und Michael,Opa und ich haben gerade Euren langen Bericht gelesen.Ja, das ist in den südlichen Ländern so mit dem Müll,diese Erfahrung mußten wir auch in Ägypten machen.Wir lesen Eure Berichte immer mit Spannung und freuen uns,dass es Euch gut geht.Auch die Bilder sind immer sehenswert ,unde so bekommen wir einen Einblick in Eure jetzige Welt. Herzlichst Oma und Opa aus Gotha

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